Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-Up

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Zeichnung (77) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Zum Einüben: die Silhouetten von zweiunddreißig Kampfflugzeugen auf einer Kenntafel für Jet-Piloten. Das Erkennen des Gegners und die daraus abgeleiteten Reaktionen müssen blitzartig und wie in Trance stattfinden, im Sinne tradierter Raubtiereigenschaften. Drei an Schläuchen angeschlossene, noch lebende Kaninchen warten derweil in schuhkartonartigen Kisten, deren Deckel man wie Halskrausen hinter ihren Köpfen verschlossen hat, auf die medizinischen Versuche, die man mit ihnen anstellen wird. Eine verordnete Passivität im Dienste der menschlichen Monokultur und ihrer Alleinstellungsmerkmale. Die traurigen Augen von Bonn: Ein Mann mit zentimeterlangen Hängewarzen an den Augenlidern und aufgerissenen Pupillen schaute 1987 vom Bahnsteig des dortigen Hauptbahnhofs in mein Zugabteil und direkt in meine noch gesunden Augen. Ich kam mir überrumpelt wie das Versuchskaninchen einer erkrankten Menschheit vor und beobachte seitdem argwöhnisch meine Augenlider. Wer will schon wissen, dass er ein gewalttätiges Tier ist, oder es gesagt bekommen." (Aus: Schwarze Blöcke, SchwarzHandPresse 2010).

(1988) 

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Zeichnung (551) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Popkäse: Wenn Madonna, eine Frau aus dem Mittelstand mit all ihren Sorgen und Nöten, diese auf einer neuen Platte besingt, kann man sicher sein, daß ihre männlichen Kritikaster Schlange stehen, zumal weil die „Alte“ schon sechzig Jahre alt ist und das tut, was – wie Cher meint – niemanden etwas angeht, auch wenn sie sich ihre Brüste auf den Rücken operieren lassen würde. Wenn sie dann auch noch die Schamlosigkeit besitzt, auf einer reduktiven European Song Contest-Veranstaltung „falsch“ zu singen, wird gleich das Ende einer ganzen Karriere proklamiert. Dabei hat auf dem ESC noch nie jemand „richtig“ gesungen, es kam immer alles faul an. Wie wäre es mit ein paar Fakten? Zum Beispiel, daß es zur Profession gehört, solcherlei Klamauk nicht ernst zu nehmen, eine Stellprobe daraus zu machen und später den richtigen Soundtrack darunterzulegen. Wohl zu schwer zu begreifen für Idioten, die nach Israel fliegen, um eine Queen of Pop korrekt singen zu hören... EILMELDUNG 2020: Zu schön, daß der Popkäse diesmal nicht stattfindet.

Hormunculus. 

(1996) 

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Zeichnung (565) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Popkäse: Wenn Madonna, eine Frau aus dem Mittelstand mit all ihren Sorgen und Nöten, diese auf einer neuen Platte besingt, kann man sicher sein, daß ihre männlichen Kritikaster Schlange stehen, zumal weil die „Alte“ schon sechzig Jahre alt ist und das tut, was – wie Cher meint – niemanden etwas angeht, auch wenn sie sich ihre Brüste auf den Rücken operieren lassen würde. Wenn sie dann auch noch die Schamlosigkeit besitzt, auf einer reduktiven European Song Contest-Veranstaltung „falsch“ zu singen, wird gleich das Ende einer ganzen Karriere proklamiert. Dabei hat auf dem ESC noch nie jemand „richtig“ gesungen, es kam immer alles faul an. Wie wäre es mit ein paar Fakten? Zum Beispiel, daß es zur Profession gehört, solcherlei Klamauk nicht ernst zu nehmen, eine Stellprobe daraus zu machen und später den richtigen Soundtrack darunterzulegen. Wohl zu schwer zu begreifen für Idioten, die nach Israel fliegen, um eine Queen of Pop korrekt singen zu hören... EILMELDUNG 2020: Zu schön, daß der Popkäse diesmal nicht stattfindet.

Hormunculus, Nervendichte–Relation, positiv und negativ. Ein Römischer Brunnen wird von ihm verspeist oder verstopft ihm den Mund. Die Abbildung eines Geschlechtsverkehrs aus dem Magazin Der Spiegel.

(1996) 

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Zeichnung (440) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Experimenteller Käse: Nehmen wir einmal an, Sie planen als Filmemacher, die Filmförderungsgesetze so umzuschreiben, daß das Geld fürderhin in die eigene Tasche fließt, dann müßte man entgegnen: Alles schon dagewesen. Am Besten Sie erzwingen dazu noch einen eigenen Fernsehkanal und bestücken ihn zur Hauptsache mit eigenen Produkten. Die Anzahl Ihrer Erzeugnisse mag dazu nicht ausreichen, so daß Sie auf Fremdware angewiesen sein werden. Da Sie aber nicht die Absicht haben, irgendwelche Rechte zu bezahlen, sondern im Gegenteil sämtliche Verwertungsrechte an diesen Sendungen selbst einstreichen wollen, verzerren und verfärben Sie die benutzen Bild- und Filmzitate hinreichend und montieren irgendwelche Kinkerlitzchen hinein, und schon haben Sie ein Produkt, für das Sie eine 'künstlerische Bearbeitung' beanspruchen können. So landet der Reibach bei Ihnen. Daß Sie für Ihr trostloses Makramé von der Kritik auch noch höchstes Lob einfahren, ist nur konsequent, denn es gibt dort nichts Beliebteres als experimentellen Käse.

Schuhtorte. 

(2007) 

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Zeichnung (224) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

Experimenteller Käse: Nehmen wir einmal an, Sie planen als Filmemacher, die Filmförderungsgesetze so umzuschreiben, daß das Geld fürderhin in die eigene Tasche fließt, dann müßte man entgegnen: Alles schon dagewesen. Am Besten Sie erzwingen dazu noch einen eigenen Fernsehkanal und bestücken ihn zur Hauptsache mit eigenen Produkten. Die Anzahl Ihrer Erzeugnisse mag dazu nicht ausreichen, so daß Sie auf Fremdware angewiesen sein werden. Da Sie aber nicht die Absicht haben, irgendwelche Rechte zu bezahlen, sondern im Gegenteil sämtliche Verwertungsrechte an diesen Sendungen selbst einstreichen wollen, verzerren und verfärben Sie die benutzen Bild- und Filmzitate hinreichend und montieren irgendwelche Kinkerlitzchen hinein, und schon haben Sie ein Produkt, für das Sie eine 'künstlerische Bearbeitung' beanspruchen können. So landet der Reibach bei Ihnen. Daß Sie für Ihr trostloses Makramé von der Kritik auch noch höchstes Lob einfahren, ist nur konsequent, denn es gibt dort nichts Beliebteres als experimentellen Käse.

Ein schräg gerahmtes Gehirn hinter einem Baumstamm, der von einem Mann umarmt wird. Eine Torte aus Schuhen vor schwarzem Grund. 

(2007) 

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Zeichnung (67) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Internationaler Käse: Daß Hollywood sich als 'links' geriert und 'demokratisch' wählt, setzt angesichts der dortigen Produktpalette eine ziemliche Verwirrung der Gemüter voraus. Die permanenten Wiederholungen und Neuinszenierungen von Apokalypse-Visionen, vor deren Vollstreckung wir dann durch Aktionen einzelner Superhelden und 'Leader' bewahrt werden, läßt keinen Mangel an faschistoiden Ideologien erkennen. Kein Wunder also, daß ein bekannter US-Avantgardist nach Ansicht von Schindlers Liste dem Regisseur Spielberg einen Aufenthalt in der Gaskammer 'ohne Happy-End' an den Hals wünschte. Auch läßt die Art der Besetzung jener Heldenrollen und Leitbilder nichts an Rassismus zu wünschen übrig. Daß Ashley Judd vor Gericht zieht, weil sie durch Nichtteilnahme an sexistischen Besetzungscouchgebräuchen einer solchen Heldenrolle – und natürlich wesentlich: deren Entlohnung – beraubt wurde, wird daran nichts ändern, auch wenn fünfzig Prozent dieser Rollen an Frauen vergeben werden. Die Dummheit wäre dann nur gerecht verteilt." (Aus: arsenal, februar 20, und dort mit der falschen Numerierung Nr. 238 und der Zeichnung für Nr. 238 veröffentlicht).

Pilgrime State Death House, ein Todeshaus für sterbende Immigranten. Ein Block ungeschliffenen Marmors mit Teleskop-Antenne. Quarz sendet. Die Schriftmuster auf einer Südseemuschel, die später im Grab einer Freundin landete. In der Schrift ein Gully mit Wabenmuster. Variationen von Ureparapara. Eine Zeichnung von Cynthia Beatt, die an einen hakenkreuzförmigen Dreschflegel erinnert.

(1984) 

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Zeichnung (241) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Internationaler Käse: Daß Hollywood sich als 'links' geriert und 'demokratisch' wählt, setzt angesichts der dortigen Produktpalette eine ziemliche Verwirrung der Gemüter voraus. Die permanenten Wiederholungen und Neuinszenierungen von Apokalypse-Visionen, vor deren Vollstreckung wir dann durch Aktionen einzelner Superhelden und 'Leader' bewahrt werden, läßt keinen Mangel an faschistoiden Ideologien erkennen. Kein Wunder also, daß ein bekannter US-Avantgardist nach Ansicht von Schindlers Liste dem Regisseur Spielberg einen Aufenthalt in der Gaskammer 'ohne Happy-End' an den Hals wünschte. Auch läßt die Art der Besetzung jener Heldenrollen und Leitbilder nichts an Rassismus zu wünschen übrig. Daß Ashley Judd vor Gericht zieht, weil sie durch Nichtteilnahme an sexistischen Besetzungscouchgebräuchen einer solchen Heldenrolle – und natürlich wesentlich: deren Entlohnung – beraubt wurde, wird daran nichts ändern, auch wenn fünfzig Prozent dieser Rollen an Frauen vergeben werden. Die Dummheit wäre dann nur gerecht verteilt." (Aus: arsenal, februar 20, und dort mit der falschen Numerierung Nr. 238 und der Zeichnung für Nr. 238 veröffentlicht).

Pilgrime State Death House, ein Todeshaus für sterbende Immigranten. Ein Block ungeschliffenen Marmors mit Teleskop-Antenne. Quarz sendet. Die Schriftmuster auf einer Südseemuschel, die später im Grab einer Freundin landete. In der Schrift ein Gully mit Wabenmuster. Variationen von Ureparapara. Eine Zeichnung von Cynthia Beatt, die an einen hakenkreuzförmigen Dreschflegel erinnert. 

(1984) 

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Zeichnung (66) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Revolutionärer Käse, mit dem Kopf durch die Wand: Die Krokodilstränen darüber, daß vormals so beliebte 'Linke' wie Mahler, Rabehl und Elsässer vom rechten linken Weg abgekommen seien, gebieten den Hinweis, daß die Erwähnten selbst nicht von einer Kehrtwendung ihrer Ansichten ausgehen würden. Kann man ihnen nicht schlicht zugute halten, daß sie schon immer waren, was sie sind? Wenn die einen die Revolution hervorzaubern wollten, indem man zuerst einen faschistischen Staat herbeibombt, gegen den das Volk dann revoltieren würde (wenn man nur wüßte, welches Volk das damals gewesen sein soll), wählen die anderen den legalistischen Weg einer Wahl, um den Staat umzuwälzen. Marsch durch die Institutionen nach Verschwörerart, und ein drängendes Verlangen danach, vom (jetzt haben wir es endlich) Wir sind das Volk–Volk geliebt zu werden. Ein Ponzi scheme des haltlosen politischen Versprechens, den Kapitalismus völkisch aushebeln zu können, das seiner Logik nach letztlich wieder in rassistische Raub-Mord-Aktionen ausarten muß." (Aus: arsenal, januar 20; dort fälschlich als Nr. 241 gekennzeichnet).

Ein Stiefelmann aus Plastik, der sich 1977 in die Wand meines Büros im Zippelhaus 6 in Hamburg bohrte. Wohngemeinschaftsterror auf der Südseeinsel Ureparapara, die von einer westlichen Filmcrew zwecks Beschreibung einer Insel heimgesucht wurde. Vernetztes schwarzes Geschirr. Teleskop-Antenne eines Kofferradios mit Schatten. Ein auf der Straße aufgelesener Zettel mit der Skizze einer "Donega-Schual", einer Gruppe Baracken, die von Hakenkreuzen umzäunt sind. Alles zerrissen und nur notdürftig zusammengesetzt.

(1984)

 

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Zeichnung (238) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Revolutionärer Käse, mit dem Kopf durch die Wand: Die Krokodilstränen darüber, daß vormals so beliebte 'Linke' wie Mahler, Rabehl und Elsässer vom rechten linken Weg abgekommen seien, gebieten den Hinweis, daß die Erwähnten selbst nicht von einer Kehrtwendung ihrer Ansichten ausgehen würden. Kann man ihnen nicht schlicht zugute halten, daß sie schon immer waren, was sie sind? Wenn die einen die Revolution hervorzaubern wollten, indem man zuerst einen faschistischen Staat herbeibombt, gegen den das Volk dann revoltieren würde (wenn man nur wüßte, welches Volk das damals gewesen sein soll), wählen die anderen den legalistischen Weg einer Wahl, um den Staat umzuwälzen. Marsch durch die Institutionen nach Verschwörerart, und ein drängendes Verlangen danach, vom (jetzt haben wir es endlich) Wir sind das Volk–Volk geliebt zu werden. Ein Ponzi scheme des haltlosen politischen Versprechens, den Kapitalismus völkisch aushebeln zu können, das seiner Logik nach letztlich wieder in rassistische Raub-Mord-Aktionen ausarten muß." (Aus: arsenal, januar 20; dort fälschlich als Nr. 241 gekennzeichnet).

Ein Stiefelmann aus Plastik, der sich 1977 in die Wand meines Büros im Zippelhaus 6 in Hamburg bohrte. Wohngemeinschaftsterror auf der Südseeinsel Ureparapara, die von einer westlichen Filmcrew zwecks Beschreibung einer Insel heimgesucht wurde. Vernetztes schwarzes Geschirr. Teleskop-Antenne eines Kofferradios mit Schatten. Ein auf der Straße aufgelesener Zettel mit der Skizze einer "Donega-Schual", einer Gruppe Baracken, die von Hakenkreuzen umzäunt sind. Alles zerrissen und nur notdürftig zusammengesetzt.

(1984) 

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