Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-Up

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Zeichnung (77) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Zum Einüben: die Silhouetten von zweiunddreißig Kampfflugzeugen auf einer Kenntafel für Jet-Piloten. Das Erkennen des Gegners und die daraus abgeleiteten Reaktionen müssen blitzartig und wie in Trance stattfinden, im Sinne tradierter Raubtiereigenschaften. Drei an Schläuchen angeschlossene, noch lebende Kaninchen warten derweil in schuhkartonartigen Kisten, deren Deckel man wie Halskrausen hinter ihren Köpfen verschlossen hat, auf die medizinischen Versuche, die man mit ihnen anstellen wird. Eine verordnete Passivität im Dienste der menschlichen Monokultur und ihrer Alleinstellungsmerkmale. Die traurigen Augen von Bonn: Ein Mann mit zentimeterlangen Hängewarzen an den Augenlidern und aufgerissenen Pupillen schaute 1987 vom Bahnsteig des dortigen Hauptbahnhofs in mein Zugabteil und direkt in meine noch gesunden Augen. Ich kam mir überrumpelt wie das Versuchskaninchen einer erkrankten Menschheit vor und beobachte seitdem argwöhnisch meine Augenlider. Wer will schon wissen, dass er ein gewalttätiges Tier ist, oder es gesagt bekommen." (Aus: Schwarze Blöcke, SchwarzHandPresse 2010).

(1988) 

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Zeichnung (292) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Lifestyle-Käse: Die Verwischung der Grenzen zwischen Lebensstil und Kunstprodukt, gemeinhin gefeiert als „Leben“, das, wie man weiß, nicht lebt, ist spätestens seit D’Annunzios Treiben Legende. Daß er seinen Kitsch und seine Drogensucht als gepampert reicher Mann ausleben durfte, enthebt seinen Inszenierungen nicht dem Vergleich mit denen von, sagen wir mal, Jack Smith, der seine lukrativen Beziehungen nur geschickt verbarg. Dieser wußte von der normativen Kraft der street credibility, jener von der bindenden Kraft des Neids. Arrested development ist in beiden Fällen zu konstatieren. Viele Künstler leben in Armut, aber seit wann ist Armut eine Kunst? Auch wird Kunst durch Armut nicht geadelt. Das Ringen um Anerkennung, daß allzu oft vor der Haustür der Bourgeoisie und ihren Politikern als Bettelnummer ausgetragen wird, ist ein Akt autoritärer Fixierung. Daß man die Armut und ihre Gründe analysiert, ist noch lange keine Kunst, sondern zuerst einmal eine Wissenschaft. Die Armut darzustellen, kann allerdings eine sein." (Aus: arsenal, dezember 20).

Fußboden eines Apartments an der West 11th Street in NYC, 1975. Auf dem Teppich eine Flasche Hautmilch, auf die ich beim Aufstehen getreten bin und deren Inhalt gegen den Rand des Bettuches spritzte, direkt unter das stilisierte Profil von Jonas Mekas aus dem Kopf seiner Village-Voice–Kolumne. Die Voice liegt auch auf dem Teppich. Darin ein Interview von Jonas (J) Mekas mit Klaus (K) Wyborny. J und K als Raubfische der Tiefsee. J trägt als Muster ein Schreckensgesicht auf dem transparenten Magenbeutel.

(1993) 

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Zeichnung (174) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Die Dunkelphase einer Sonnenfinsternis am Hambacher See am 11. August 1999. Zwei nackte Männer mit Boxhandschuhen verschwinden zwischen den hohen Gräsern am Seerand. Ein Rhönradfahrer aus dem Fotoband In Licht und Sonne von Kurt Reichert aus den 30er Jahren überquert die Liegewiese, ebenso wie der Schatten der tieffliegenden Air Force One mit Präsident Clinton an Bord auf dem Weg von Schönefeld nach Moskau. Oder war es nur eine zweite Air Force One, die zur Ablenkung die gleiche Strecke flog, ohne den Präsidenten an Bord? Die Männer zwischen den Gräsern sind aufgeschreckt und fühlen sich belästigt von dieser möglichen Doppelung. Wie Hasen auf Hinterbeinen schnuppern sie in die Luft, um eine Witterung aufzunehmen. Alles riecht nach Abgasen, der Raum verdichtet sich, eine Zeitanomalie setzt ein und am Himmel erscheint als Gespenst ein futuristisches, dreieiiges Geschlechtsorgan mit Düsenantrieb. Alle tun so, als hätten sie nichts gesehen, wenden sich sprachlos ab und gehen vermehrt ihren drängenden Geschäften nach." (Aus: arsenal, september 20).

(1999) 

 

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Zeichnung (535) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Die Dunkelphase einer Sonnenfinsternis am Hambacher See am 11. August 1999. Zwei nackte Männer mit Boxhandschuhen verschwinden zwischen den hohen Gräsern am Seerand. Ein Rhönradfahrer aus dem Fotoband In Licht und Sonne von Kurt Reichert aus den 30er Jahren überquert die Liegewiese, ebenso wie der Schatten der tieffliegenden Air Force One mit Präsident Clinton an Bord auf dem Weg von Schönefeld nach Moskau. Oder war es nur eine zweite Air Force One, die zur Ablenkung die gleiche Strecke flog, ohne den Präsidenten an Bord? Die Männer zwischen den Gräsern sind aufgeschreckt und fühlen sich belästigt von dieser möglichen Doppelung. Wie Hasen auf Hinterbeinen schnuppern sie in die Luft, um eine Witterung aufzunehmen. Alles riecht nach Abgasen, der Raum verdichtet sich, eine Zeitanomalie setzt ein und am Himmel erscheint als Gespenst ein futuristisches, dreieiiges Geschlechtsorgan mit Düsenantrieb. Alle tun so, als hätten sie nichts gesehen, wenden sich sprachlos ab und gehen vermehrt ihren drängenden Geschäften nach." (Aus: arsenal, september 20).

(1999) 

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Zeichnung (440) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Experimenteller Käse: Nehmen wir einmal an, Sie planen als Filmemacher, die Filmförderungsgesetze so umzuschreiben, daß das Geld fürderhin in die eigene Tasche fließt, dann müßte man entgegnen: Alles schon dagewesen. Am Besten Sie erzwingen dazu noch einen eigenen Fernsehkanal und bestücken ihn zur Hauptsache mit eigenen Produkten. Die Anzahl Ihrer Erzeugnisse mag dazu nicht ausreichen, so daß Sie auf Fremdware angewiesen sein werden. Da Sie aber nicht die Absicht haben, irgendwelche Rechte zu bezahlen, sondern im Gegenteil sämtliche Verwertungsrechte an diesen Sendungen selbst einstreichen wollen, verzerren und verfärben Sie die benutzen Bild- und Filmzitate hinreichend und montieren irgendwelche Kinkerlitzchen hinein, und schon haben Sie ein Produkt, für das Sie eine 'künstlerische Bearbeitung' beanspruchen können. So landet der Reibach bei Ihnen. Daß Sie für Ihr trostloses Makramé von der Kritik auch noch höchstes Lob einfahren, ist nur konsequent, denn es gibt dort nichts Beliebteres als experimentellen Käse." (Aus: arsenal, oktober 20).

Schuhtorte. 

(2007) 

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Zeichnung (224) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Experimenteller Käse: Nehmen wir einmal an, Sie planen als Filmemacher, die Filmförderungsgesetze so umzuschreiben, daß das Geld fürderhin in die eigene Tasche fließt, dann müßte man entgegnen: Alles schon dagewesen. Am Besten Sie erzwingen dazu noch einen eigenen Fernsehkanal und bestücken ihn zur Hauptsache mit eigenen Produkten. Die Anzahl Ihrer Erzeugnisse mag dazu nicht ausreichen, so daß Sie auf Fremdware angewiesen sein werden. Da Sie aber nicht die Absicht haben, irgendwelche Rechte zu bezahlen, sondern im Gegenteil sämtliche Verwertungsrechte an diesen Sendungen selbst einstreichen wollen, verzerren und verfärben Sie die benutzen Bild- und Filmzitate hinreichend und montieren irgendwelche Kinkerlitzchen hinein, und schon haben Sie ein Produkt, für das Sie eine 'künstlerische Bearbeitung' beanspruchen können. So landet der Reibach bei Ihnen. Daß Sie für Ihr trostloses Makramé von der Kritik auch noch höchstes Lob einfahren, ist nur konsequent, denn es gibt dort nichts Beliebteres als experimentellen Käse." (Aus: arsenal, oktober 20).

Ein schräg gerahmtes Gehirn hinter einem Baumstamm, der von einem Mann umarmt wird. Eine Torte aus Schuhen vor schwarzem Grund. 

(2007) 

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Zeichnung (146) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Lifestyle-Käse: Die Verwischung der Grenzen zwischen Lebensstil und Kunstprodukt, gemeinhin gefeiert als „Leben“, das, wie man weiß, nicht lebt, ist spätestens seit D’Annunzios Treiben Legende. Daß er seinen Kitsch und seine Drogensucht als gepampert reicher Mann ausleben durfte, enthebt seinen Inszenierungen nicht dem Vergleich mit denen von, sagen wir mal, Jack Smith, der seine lukrativen Beziehungen nur geschickt verbarg. Dieser wußte von der normativen Kraft der street credibility, jener von der bindenden Kraft des Neids. Arrested development ist in beiden Fällen zu konstatieren. Viele Künstler leben in Armut, aber seit wann ist Armut eine Kunst? Auch wird Kunst durch Armut nicht geadelt. Das Ringen um Anerkennung, daß allzu oft vor der Haustür der Bourgeoisie und ihren Politikern als Bettelnummer ausgetragen wird, ist ein Akt autoritärer Fixierung. Daß man die Armut und ihre Gründe analysiert, ist noch lange keine Kunst, sondern zuerst einmal eine Wissenschaft. Die Armut darzustellen, kann allerdings eine sein." (Aus: arsenal, dezember 20).

Uncle Fishhead. 

(1993) 

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Zeichnung (551) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Identitätskäse: Wenn jemand sagt, er sei auf der Suche nach seiner Identität, sollte man ihm wünschen, daß er sie nicht findet. Im Sinne der Festlegung bedeutet Identität unter unserem Wirtschaftsgesetz immer nur Versklavung, und das gilt für Heteros,  Schwule und Transsexuelle gleichermaßen. Ich kenne nicht zwei identische Sexualitäten, nur weiche Übergänge, solange sie gestattet sind. Die Clones-Bewegung der 70er Jahre war eine Sackgasse, und die politischen 'Identitären' von heute sind nur noch ein dummer Witz der Weltgeschichte. Das Coming Out von Irgendetwas mag für kurzfristige Glücksmomente herhalten, vergessen wird dabei aber, daß wir immer noch in prekären Gesellschaften leben, die jederzeit ihren Spieß umdrehen können, und es auch tun werden. Das Identische wird den Menschen zugeschrieben, wer es sich selbst zuschreibt, ist ein Idiot. Jeder kluge Mensch lebt schon aus Notwendigkeit in seinem ganz persönlichen Schrank. Geheimnisse bleiben nicht, was sie sind, sie setzen sich nur in neuer Gestalt fort." (Aus: arsenal, november 20).

Popkäse: Wenn Madonna, eine Frau aus dem Mittelstand mit all ihren Sorgen und Nöten, diese auf einer neuen Platte besingt, kann man sicher sein, daß ihre männlichen Kritikaster Schlange stehen, zumal weil die „Alte“ schon sechzig Jahre alt ist und das tut, was – wie Cher meint – niemanden etwas angeht, auch wenn sie sich ihre Brüste auf den Rücken operieren lassen würde. Wenn sie dann auch noch die Schamlosigkeit besitzt, auf einer reduktiven European Song Contest-Veranstaltung „falsch“ zu singen, wird gleich das Ende einer ganzen Karriere proklamiert. Dabei hat auf dem ESC noch nie jemand „richtig“ gesungen, es kam immer alles faul an. Wie wäre es mit ein paar Fakten? Zum Beispiel, daß es zur Profession gehört, solcherlei Klamauk nicht ernst zu nehmen, eine Stellprobe daraus zu machen und später den richtigen Soundtrack darunterzulegen. Wohl zu schwer zu begreifen für Idioten, die nach Israel fliegen, um eine Queen of Pop korrekt singen zu hören... EILMELDUNG 2020: Zu schön, daß der Popkäse diesmal nicht stattfindet.

Hormunculus. 

(1996) 

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Zeichnung (565) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Identitätskäse: Wenn jemand sagt, er sei auf der Suche nach seiner Identität, sollte man ihm wünschen, daß er sie nicht findet. Im Sinne der Festlegung bedeutet Identität unter unserem Wirtschaftsgesetz immer nur Versklavung, und das gilt für Heteros,  Schwule und Transsexuelle gleichermaßen. Ich kenne nicht zwei identische Sexualitäten, nur weiche Übergänge, solange sie gestattet sind. Die Clones-Bewegung der 70er Jahre war eine Sackgasse, und die politischen 'Identitären' von heute sind nur noch ein dummer Witz der Weltgeschichte. Das Coming Out von Irgendetwas mag für kurzfristige Glücksmomente herhalten, vergessen wird dabei aber, daß wir immer noch in prekären Gesellschaften leben, die jederzeit ihren Spieß umdrehen können, und es auch tun werden. Das Identische wird den Menschen zugeschrieben, wer es sich selbst zuschreibt, ist ein Idiot. Jeder kluge Mensch lebt schon aus Notwendigkeit in seinem ganz persönlichen Schrank. Geheimnisse bleiben nicht, was sie sind, sie setzen sich nur in neuer Gestalt fort." (Aus: arsenal, november 20).

Popkäse: Wenn Madonna, eine Frau aus dem Mittelstand mit all ihren Sorgen und Nöten, diese auf einer neuen Platte besingt, kann man sicher sein, daß ihre männlichen Kritikaster Schlange stehen, zumal weil die „Alte“ schon sechzig Jahre alt ist und das tut, was – wie Cher meint – niemanden etwas angeht, auch wenn sie sich ihre Brüste auf den Rücken operieren lassen würde. Wenn sie dann auch noch die Schamlosigkeit besitzt, auf einer reduktiven European Song Contest-Veranstaltung „falsch“ zu singen, wird gleich das Ende einer ganzen Karriere proklamiert. Dabei hat auf dem ESC noch nie jemand „richtig“ gesungen, es kam immer alles faul an. Wie wäre es mit ein paar Fakten? Zum Beispiel, daß es zur Profession gehört, solcherlei Klamauk nicht ernst zu nehmen, eine Stellprobe daraus zu machen und später den richtigen Soundtrack darunterzulegen. Wohl zu schwer zu begreifen für Idioten, die nach Israel fliegen, um eine Queen of Pop korrekt singen zu hören... EILMELDUNG 2020: Zu schön, daß der Popkäse diesmal nicht stattfindet.

Hormunculus, Nervendichte–Relation, positiv und negativ. Ein Römischer Brunnen wird von ihm verspeist oder verstopft ihm den Mund. Die Abbildung eines Geschlechtsverkehrs aus dem Magazin Der Spiegel.

(1996) 

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