Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-Up

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Zeichnung (435) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Die Sprache atmet, sie zieht sich zusammen und fliegt wieder auseinander. Wir haben es bis zu sechsundzwanzig Buchstaben mit unendlich vielen Kombinationen in Wörtern und Sätzen gebracht. Und zur Darstellung der Buchstaben in einem binären Code, der eine höhere Übertragungsrate verspricht. Jetzt betrachten sich die Menschen von außen und verstummen. Sie trauen und vertrauen sich nicht mehr und wollen ihre Erinnerungen den Maschinen überlassen. Dieses Lebenszeichen, einmal losgeschickt, ist nicht wieder einholbar. Eine große Glocke mit einem Klöppel, der an den länglichen Kern einer Dattel erinnert. Die Silhouetten von Aloe-Pflanzen in Laguna Beach, Kalifornien, kurz bevor es abbrannte, und ich meine Koffer packte, um nach Berlin umzusiedeln. Am Himmel ein Haufen umgeworfener Stühle und regelmäßig permutierte Querschnitte von T-Trägern. Eine Frau mit verbundenen Augen ist im Iran an einem Baukran erhängt worden. Falls sich noch jemand fragen sollte, was mit uns in einem Umfeld staatsreligiösen Schwachsinns geschehen wird." (Aus: arsenal, september 17)

(2007)

 

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Zeichnung (452) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Die Sprache atmet, sie zieht sich zusammen und fliegt wieder auseinander. Wir haben es bis zu sechsundzwanzig Buchstaben mit unendlich vielen Kombinationen in Wörtern und Sätzen gebracht. Und zur Darstellung der Buchstaben in einem binären Code, der eine höhere Übertragungsrate verspricht. Jetzt betrachten sich die Menschen von außen und verstummen. Sie trauen und vertrauen sich nicht mehr und wollen ihre Erinnerungen den Maschinen überlassen. Dieses Lebenszeichen, einmal losgeschickt, ist nicht wieder einholbar. Eine große Glocke mit einem Klöppel, der an den länglichen Kern einer Dattel erinnert. Die Silhouetten von Aloe-Pflanzen in Laguna Beach, Kalifornien, kurz bevor es abbrannte, und ich meine Koffer packte, um nach Berlin umzusiedeln. Am Himmel ein Haufen umgeworfener Stühle und regelmäßig permutierte Querschnitte von T-Trägern. Eine Frau mit verbundenen Augen ist im Iran an einem Baukran erhängt worden. Falls sich noch jemand fragen sollte, was mit uns in einem Umfeld staatsreligiösen Schwachsinns geschehen wird." (Aus: arsenal, september 17)

(2007) 

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Zeichnung (593) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Summer in the City: Der Drogenbeauftragte von Harlem mit Baseballkappe und nacktem Bauchnabel trifft auf eine korpulente Frau mit wehenden Haaren im Berliner Prinzenbad. The Lovin’ Spoonful machten Reklame für Heroin, die Steve Miller Band für Kokain und The Mamas & The Papas verkauften dann das Zeugs. Horizontal die Beine von Turmspringern mitten im Flug, in positiv und negativ, seitenrichtig oder seitenverkehrt. Eine Tänzerin und ein in einer Sandgrube landender Weitspringer mit kahlen Köpfen vor zwölf verzerrt gezeichneten Zigaretten aus Packungen, auf denen Schreckensbilder vor dem Tod warnen sollen. Geben Sie mir die mit der schwarzen Lunge drauf, bittet der Käufer am Kiosk, und die rauchende Verkäuferin erwidert, Vor Zucker warnen sie nicht mit Bildern von offenen Beinen. Die Tänzerin wird vom gesamten Haarwuchs umkreist, den ein Mensch umgerechnet in die Länge eines einzigen Haares pro Tag produziert. Das imaginäre Haar reicht von Glatze zu Glatze als Beweisstück einer unmerklich zärtlichen Kommunikation." (Aus: arsenal, juli/august 17).

(1996) 

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Zeichnung (198) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Die Großbaustelle einer Teilchenbeschleunigungsanlage tief unter der nordamerikanischen Wüstenerde, im Hintergrund Spuren von Protonen auf einem Bildträger. Verschmelzungsprozesse von Elementarteilchen sollen hier erforscht und ein Beweis für die Existenz von Antimaterie gefunden werden; eine unendliche Abfolge ungelesener Daten ist das Ergebnis. Ein Hohlraum der Heterosexualität mit seiner klar gegliederten Sexualsymbolik. Links am Bildrand zwei Ruderer im deutschen Weltmeisterschafts–Achter. Auf einem lupenförmigen Ruderblatt kehrt sich die Röntgenplatte mit den Protonenspuren ins Negativ. Unten rechts ein Riesenpenis aus Holz in einem Shinto-Tempel in Kyoto, Japan. Seine Eichel wird gerade von einer Angestellten oder einem Angestellten aufpoliert. Die politische Korrektheit überlieferter Kunstformen müsse dringend überprüft werden, fordert eine mental überforderte akademische Welt. Aber daß wir im Mittelalter leben, wissen wir doch. Man sollte eher Zeitkapseln versenken, mit herzlichen Grüßen an die Nachgeborenen." (Aus: arsenal, november 16)

(1994) 

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Zeichnung (490) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Fortsetzung des anonymen Briefes, Brooklyn 1975: "... The people of President Street are upset of your actions. The little children SEE what's going on in that room. Either you put something to cover your windows, or you get off the block and move. We are waiting 1 week. If you don't cover your windows, you'll hear from us again but next time not so friendly. Thank you for your cooperation." Eine gewisse Verstörung und Verunsicherung waren die Folge, und wir zogen in vorweggenommener Aktion zurück nach Manhattan. Rechts zwischen den Textzeilen des Briefes stellt eine auf dem Boden knieende Frau ein Warnschild in einem weißen Kreis auf. Auf der linken Seite ein Telefon-Doodle mit einem Frauenakt ohne Kopf, dem Portrait meiner Stirn und dem Kopf eines französischen Polizisten. Das vorsätzliche Bemühen, Häßlichkeit zu produzieren, gelang ohne große Anstrengungen und auch ohne die ideologischen Verrenkungen der albern deutsch „wild“ genannten Malerie der 80er Jahre. Tatsächlich kann ich überall Hakenkreuze erkennen." (Aus: arsenal, februar 17)

(1984) 

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Zeichnung (534) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Eine Frau mit bandagierter Nase erträumt sich nach einer Schönheitsoperation den nackten Oberkörper eines Mannes im Schilf eines Seeufers. Über seinen Rücken wandern Licht- und Schattenflecken, ein exemplarischer Frieden ohne Insekten und Invektiven. Doch von allen vier Seiten ragen Lotosblätter an Stengeln ins Bild, und der Mann hat Angst, sich beim Schwimmen in deren Wurzelgeflecht zu verheddern. Direkt unter der Wasseroberfläche wittert er die Spitzen eines undurchdringlichen Waldes. Dann jagt ihn die Vorstellung von Blutegeln und Schnappschildkröten, die sich in seinen Waden festbeißen, einen Schrecken ein. Er springt nackt aus dem Wasser und schreit Fuck nature! Ein Förster in Uniform beobachtet ihn dabei und schüttelt mit dem Kopf. Die Frau erwacht und ist froh, daß es noch zu keinem Kontakt gekommen ist. Sie will sich erst wieder in den sozialen Netzwerken zeigen, wenn ihre korrigierte Nase verheilt ist. Dann stünden ihr alle Möglichkeiten offen und jener Match-in-heaven, den ihr der Traum prophezeit hat." (Aus: arsenal, juni 17)

(2005) 

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Zeichnung (414) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Eine Frau mit bandagierter Nase erträumt sich nach einer Schönheitsoperation den nackten Oberkörper eines Mannes im Schilf eines Seeufers. Über seinen Rücken wandern Licht- und Schattenflecken, ein exemplarischer Frieden ohne Insekten und Invektiven. Doch von allen vier Seiten ragen Lotosblätter an Stengeln ins Bild, und der Mann hat Angst, sich beim Schwimmen in deren Wurzelgeflecht zu verheddern. Direkt unter der Wasseroberfläche wittert er die Spitzen eines undurchdringlichen Waldes. Dann jagt ihn die Vorstellung von Blutegeln und Schnappschildkröten, die sich in seinen Waden festbeißen, einen Schrecken ein. Er springt nackt aus dem Wasser und schreit Fuck nature! Ein Förster in Uniform beobachtet ihn dabei und schüttelt mit dem Kopf. Die Frau erwacht und ist froh, daß es noch zu keinem Kontakt gekommen ist. Sie will sich erst wieder in den sozialen Netzwerken zeigen, wenn ihre korrigierte Nase verheilt ist. Dann stünden ihr alle Möglichkeiten offen und jener Match-in-heaven, den ihr der Traum prophezeit hat." (Aus: arsenal, juni 17)

(2005) 

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Zeichnung (178) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Zwei Radfahrer, deren Silhouetten Schlagschatten auf eine ebene Straße werfen, von Silke Grossmann Ende der 70er Jahre in Amsterdam fotografiert. Ihr Profil ist rechts im Anschnitt zu sehen. Sie blickt in einen von Geschichte definierten Raum von unendlicher Tiefe und Höhe, in dem 1944 während der Invasion in der Normandie britische Fallschirmspringer vom Himmel herabschwebten. Viele der Soldaten wurden im Flug abgeschossen. Auf dem Gelände des jetzigen Flughafens Schipohl gab es zu jener Zeit Kleingärten, in deren Hütten der Schweizer Kunstfreund und Hotelier Hans Obrecht und der spätere Direktor des Stedelijk Museums, Willem Sandberg, jüdische Kinder versteckt hielten. Dreißig Jahre später malte Obrecht seiner kranken, ans Bett gefesselten Frau in ihrem Schlafzimmer im Hotel Amstelrust an der Amstel 252 eine Tür an die Zimmerdecke, weil sie beim Erwachen an der Vorstellung litt, in einem Raum ohne Ausgang eingesperrt zu sein. Die Kraft des Imaginären sollte den Realismus der Angst überwinden und tat es auch." Aus: arsenal, mai 17

(1977) 

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Zeichnung (53) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Zwei Radfahrer, deren Silhouetten Schlagschatten auf eine ebene Straße werfen, von Silke Grossmann Ende der 70er Jahre in Amsterdam fotografiert. Ihr Profil ist rechts im Anschnitt zu sehen. Sie blickt in einen von Geschichte definierten Raum von unendlicher Tiefe und Höhe, in dem 1944 während der Invasion in der Normandie britische Fallschirmspringer vom Himmel herabschwebten. Viele der Soldaten wurden im Flug abgeschossen. Auf dem Gelände des jetzigen Flughafens Schipohl gab es zu jener Zeit Kleingärten, in deren Hütten der Schweizer Kunstfreund und Hotelier Hans Obrecht und der spätere Direktor des Stedelijk Museums, Willem Sandberg, jüdische Kinder versteckt hielten. Dreißig Jahre später malte Obrecht seiner kranken, ans Bett gefesselten Frau in ihrem Schlafzimmer im Hotel Amstelrust an der Amstel 252 eine Tür an die Zimmerdecke, weil sie beim Erwachen an der Vorstellung litt, in einem Raum ohne Ausgang eingesperrt zu sein. Die Kraft des Imaginären sollte den Realismus der Angst überwinden und tat es auch." Aus: arsenal, mai 17

(1977) 

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Zeichnung (447) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Der zum Schlafsofa mutierte Kopf einer Giraffe überragt das in vier Teile zerlegte Portrait einer Frau. Nachdenklich betrachtet sie eine elektrisch betriebene Hand, die vor einer Rasierklinge ein Glas serviert. Darüber ein Stab mit zwei weiteren Plastikhänden an den Enden und ein umgekehrt auf einen Stiel aufgesetzter Besen, der ins Bild ragt. Die Frau denkt, Das alles sind Bedeutungsperspektiven, deren Sinn ich nicht erkenne, obwohl er offen vor mir liegt. In vier Teile zerlegt könnte ich vielleicht alles besser verstehen. Zuerst einmal sollte ich schlafen und keine Reue mehr empfinden. Sie döst ein und genießt einen Anfall von Schuldlosigkeit. Nach dem Aufwachen setzt sie ihre Teile wieder zusammen und beschließt, ihre Arbeit von Anderen machen zu lassen. Ein selbstfahrendes Auto läßt sie zuvorkommend die Straße überqueren. Sie bedankt sich mit einem Kopfnicken, das in eine Zentrale übertragen wird. Sind die Leute heute wieder freundlich, denkt ein Beamter. April April, ruft die Frau in die versteckte Kamera." Aus: arsenal, april 17

(1993) 

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