Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-Up

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Zeichnung (403) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Uniformierte Werbung und werbende Uniformen. Der Kampf zwischen den Geschlechtern als mehr oder weniger unterhaltsame Zirkusnummer im Kaufhauskatalog. Für Homosexuelle schwer zu begreifen, es sei denn, man deklariert auch die graduellen Unterschiede innerhalb eines Geschlechtes als Kampfpositionen. In Stangen eingezwängte Paarungen von steifen Männershorts und glatten Frauenröcken. Die kurzen Hosen dabei als leere Avantgarde, bewacht von einer langen Anzughose im Hintergrund. In der Popkultur wird wieder „um einen Mann, einen richtigen Mann“ gebettelt werden, den man in den USA in Form des deutschstämmigen Donald Trump schon bekommen hat. Nichts gegen den klugen Friedrich Hollaender, der schon immer den richtigen Riecher hatte. Harvey Weinstein, der die Besetzungscouch zur Dusche umfunktionierte, wird als Jesus einer gediegenen Körperlichkeit wieder auferstehen, und seine Memoiren werden demnächst alle Rekorde brechen. Dann heißt es nicht mehr #MeToo, sondern nur noch: #IchWillMit." (Aus: arsenal, juli/august 18).

(1976) 

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Zeichnung (601) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"The World: ein Hosenstall. Transparent: der geschlossene Eingriff einer bügelfreien Anzughose. Liebe als Arbeit: ein hingehaltenes Schiffsmodell vor einem Paar, das in Missionarsstellung den Geschlechtsverkehr ausübt und vorher weder Lust noch Zeit hatte, sich die Anziehsachen auszuziehen. Die schwarzen Flächen waren Papierreste auf einem Polaroid-Negativ der Szenerie. RO ID = Das rohe Es, die Verabredung und das Einvernehmen, tierisch sein zu dürfen. Harvey Weinstein sollte zum Christentum übertreten, dann würde ihm alles vergeben werden. Seine Übergriffe waren jedem und jeder Filmschaffenden seit langem bekannt, auch ante delictum. Das journalistische Getue, das sich jetzt so plötzlich um seine miese Rolle rankt, trägt alle Ingredienzien für einen neuen McCarthyismus in sich. Einen Vorgeschmack davon konnte man bekommen, als auf dem Think:Film-Kongress 2012 der Film Traité de bave et d’éternité (1951) von Isidore Isou bei Andrea-Dworkin-Aficionados urplötzlich in Ungnade fiel." (Aus: arsenal, juni 18).

(1988) 

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Zeichnung (295) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Mood Circle, ein Kreislauf unberechenbarer Launen. Doom Clerc, der Dechiffreur eines unvermeidlichen Verhängnisses. Nach der alten Zeichnung Mood Circle Mona Cries von 1971, dem Jahr, in dem alles aus dem Ruder lief. Ein zum Untergang verdammtes Stabilbaukasten-Paddelboot als Symbol meines abgebrochenen Universitätsstudium. Die Stele mit einer Männerskulptur aus der russischen Kaserne in Wünsdorf reicht bis in die Wolken. Eine hohe, spitz zulaufende Tsunami-Welle läuft auf dem Festland auf die Stele zu. Verschlagene westliche Dekadenz: Während der Vorbeifahrt an dem Militärkomplex warfen wir den Rekruten, die dort den Gehweg fegen mußten, Pornohefte zu. Und das, nachdem sich Freunde in Prag darüber beschwert hatten, daß wir nur Apfelsinen mitgebracht hatten statt der erwünschten Exemplare des Spiegel. Die Früchte erscheinen mir auch heute noch die sinnvollere Gabe als jene Journaille, und die Pornos machten unmittelbar Sinn – ein versteckter Verweis auf Klossowskis La Monnaie vivante, das gerade erschienen war." (Aus: arsenal, mai 18).

(1996) 

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Zeichnung (197) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Ein GSG 9-Mann seilt sich an einem Angelhaken in einen Malstrom ab. Rechts darüber ein von Hokusai in Holz geschnittener Kawenzmann, auch Tidalwave, Tsunami oder Grundsee genannt. Die Bambusangel mit dem GSG 9-Mann schwebt vor dem Hintergrund eines die bürgerlichen Rechenarten als anthropologische Grundkonstante verherrlichenden Granitdenkmals mit der Aufschrift "Zehn Prozent minus 5 Prozent gleich 5 Prozent". Unten rechts Teile der Rückseite eine Emporenverzierung aus Bronze in der von Louis H. Sullivan 1906 entworfenen National Farmer’s Bank in Owatonna, Minnesota, und links ein fluchtartig die Szene verlassender Gay-Tea-Dancer im Berliner Metropol, Anfang der 90er Jahre. Von der selbstverständlichen Schönheit der Körper kann schon lange keine Rede mehr sein. Es ist eine ausgemachte Sache, daß sich Narziß heute vor der eigenen Schönheit ekelt, falls er das nicht schon immer getan haben sollte. Ein Spiegel tut das Seine dazu, mit seinem metallischen Geschmack, den er abgibt, wenn man ihn auf seiner Rückseite ableckt." (Aus: arsenal, april 18).

(1994) 

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Zeichnung (333) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Ein GSG 9-Mann seilt sich an einem Angelhaken in einen Malstrom ab. Rechts darüber ein von Hokusai in Holz geschnittener Kawenzmann, auch Tidalwave, Tsunami oder Grundsee genannt. Die Bambusangel mit dem GSG 9-Mann schwebt vor dem Hintergrund eines die bürgerlichen Rechenarten als anthropologische Grundkonstante verherrlichenden Granitdenkmals mit der Aufschrift "Zehn Prozent minus 5 Prozent gleich 5 Prozent". Unten rechts Teile der Rückseite eine Emporenverzierung aus Bronze in der von Louis H. Sullivan 1906 entworfenen National Farmer’s Bank in Owatonna, Minnesota, und links ein fluchtartig die Szene verlassender Gay-Tea-Dancer im Berliner Metropol, Anfang der 90er Jahre. Von der selbstverständlichen Schönheit der Körper kann schon lange keine Rede mehr sein. Es ist eine ausgemachte Sache, daß sich Narziß heute vor der eigenen Schönheit ekelt, falls er das nicht schon immer getan haben sollte. Ein Spiegel tut das Seine dazu, mit seinem metallischen Geschmack, den er abgibt, wenn man ihn auf seiner Rückseite ableckt." (Aus: arsenal, april 18).

(1994) 

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Zeichnung (356) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Permutationen und Abstrahlungen von einem Zentrum zum anderen: quantentheoretische Lebensweisen ohne vorherige oder nachträgliche Messungen. Eine Chimäre in der oberen Zimmerecke eines Universitätsbüros in der SUNY Binghamton („Babylon“), vor dunklem Vorhang, Nagelbrett und Neonröhren, 1975: innerhalb der Umrisse einer Stetson Melone die skizzierte Reise von Albuquerque nach Phoenix, Arizona. Eine Erscheinung im Wüstenstaub neben der Straße kurz vor El Centro: meine abgetragenen Schuhe ohne Schnürsenkel, negativ klein und positiv groß, zwischen riesigen Haufen abgerundeter Felsbrocken. Durch Entzug alles in Frage stellen. Ich schwitzte trotz der kalten Luft im Bus und versuchte zu schlafen. Bis jetzt hat noch jeder den ersten Stein geworfen, träumte ich. Was soll das, das Leben eines Rockstars führen ohne dessen Resourcen? Ich war blank, aber ich war jung und konnte noch auf den Strich gehen, in einem System grenzenlos freigesetzter Arbeitskräfte. Und so etwas nannte sich dann Utopie, jenseits der Leibeigenschaft." (Aus: arsenal, märz 18).

(1977)

 

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Zeichnung (369) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Permutationen und Abstrahlungen von einem Zentrum zum anderen: quantentheoretische Lebensweisen ohne vorherige oder nachträgliche Messungen. Eine Chimäre in der oberen Zimmerecke eines Universitätsbüros in der SUNY Binghamton („Babylon“), vor dunklem Vorhang, Nagelbrett und Neonröhren, 1975: innerhalb der Umrisse einer Stetson Melone die skizzierte Reise von Albuquerque nach Phoenix, Arizona. Eine Erscheinung im Wüstenstaub neben der Straße kurz vor El Centro: meine abgetragenen Schuhe ohne Schnürsenkel, negativ klein und positiv groß, zwischen riesigen Haufen abgerundeter Felsbrocken. Durch Entzug alles in Frage stellen. Ich schwitzte trotz der kalten Luft im Bus und versuchte zu schlafen. Bis jetzt hat noch jeder den ersten Stein geworfen, träumte ich. Was soll das, das Leben eines Rockstars führen ohne dessen Resourcen? Ich war blank, aber ich war jung und konnte noch auf den Strich gehen, in einem System grenzenlos freigesetzter Arbeitskräfte. Und so etwas nannte sich dann Utopie, jenseits der Leibeigenschaft." (Aus: arsenal, märz 18).

(1977) 

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Zeichnung (394) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Gewichte, die Füße am Boden halten. Die Linien ihrer Sohlen können gelesen werden wie die der Hände. Eine Kombinatorik von Quadraten, die an ihrer Komplexität scheitert. Was ist die Aufgabe der Künste im 21. Jahrhundert, fragt die Akademie der Künste. Kunst entspringt der Notwendigkeit, Sprachformen und Begriffe zu erweitern, experimentell zu erforschen und davon Zeugnis abzulegen. Sie hat dabei nicht auf Verständnis und Mitleid zu hoffen, geschweige denn solches vorauszusetzen oder darum zu betteln. Kunst sollte sich nicht als Sozialarbeit begreifen und damit die Berufe des Sozialarbeiters oder Gestalters diskreditieren. Das Wort Aufgabe könnte implizieren, daß Kunst aufgegeben werden soll, erhöbe sie denn ein unabhängiges Haupt. Kunst hat aber keine Aufgaben, noch sollten ihr solche von Kritikern und Kuratoren politisch zugewiesen werden, um deren Vollstreckung zu kontrollieren. Falls sich Künstler Aufgaben stellen oder annehmen, ist das ihre Privatsache. Der Begriff 21. Jahrhundert ist eine haltlose Disposition." (Aus: arsenal, februar 18).

(1977) 

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