Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-Up

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Zeichnung (92) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Der Maler (P) mit Zeigepinsel in der Hand und sein Modell (M), einem VW-Käfer entsteigend, zu einer Zeit, als die Abkürzung „Vauweh“ ihren zivilen Charme noch nicht verloren hatte, und das Wort „Volkswagen“ bei mir noch kein Grauen erregte. Zwischen beiden Personen liegen Berge geordnet gestapelter Unterwäsche und eine Straße aus Tee. Gemalt wurde die Erscheinung eines schwarzen Wollhandschuhs als weißes Nachbild. Zu der Zeit, also 1974, bestanden wir darauf, daß ein Kalauer die Welt in ihren Beziehungen am Verläßlichsten darstellen könne. Die Spötterdämmerung begann erst später, obwohl ich schon 1968 das Angebot, Pardon-Redakteur zu werden, abgelehnt hatte, um Philosphie zu studieren, was vorerst auch im Sande verlief. Noch waren Fotografien rohe Sätze und alberne Beweisstücke. Die Sprache, die die fotografischen Abbilder in der Lage waren zu konstruieren, erschien uns erst drei Jahre später als Möglichkeit, dank Alexander Rodchenko. Aber schon immer war klar: Nie im Leben würde ich mir ein deutsches Auto kaufen." (Aus: januar 19).

(1976) 

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Zeichnung (583) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Ein Raumschiff in der Form eines geschliffenen Diamanten transportiert Wasser auf einen ausgetrockneten Felsenplaneten. Jemand umarmt einen Baum und horcht auf die Geräusche des im Stamm aufsteigenden Wassers. Gabriele d’Annunzio liest in der Uniform eines Feldpredigers aus seinen Tagebüchern vor: 'Bei uns gibt es nur einen politischen Weg: Zerstören. Was jetzt ist, ist nichts, ist Moder, ist der Tod, ist gegen das Leben.' Er versucht vergeblich, Kontakt mit den Außerirdischen aufzunehmen. Das Wasser verzieht sich zu einer Fratze, als es von d’Annunzio gelobt wird: 'Vorzüglich ist das Wasser.' Es kann auf falsche Freunde verzichten. D’Annunzio blödelt weiter vor sich hin: 'Vorhin sah ich aus dem Fenster die Hühner meiner Haushälterin. Wäre ich eines von ihnen, würde mich keiner daran hindern, mein Ei zu legen', um dann weiter zu toben: 'Warum bin ich nur ein Mann? Warum bin ich nicht ein ganzes Heer? Meine Kühnheit ist gegenwärtig grenzenlos.' Das Wasser zieht es vor zu schweigen." (Aus: arsenal, dezember 18).

(2007) 

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Zeichnung (251) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Ein Raumschiff in der Form eines geschliffenen Diamanten transportiert Wasser auf einen ausgetrockneten Felsenplaneten. Jemand umarmt einen Baum und horcht auf die Geräusche des im Stamm aufsteigenden Wassers. Gabriele d’Annunzio liest in der Uniform eines Feldpredigers aus seinen Tagebüchern vor: 'Bei uns gibt es nur einen politischen Weg: Zerstören. Was jetzt ist, ist nichts, ist Moder, ist der Tod, ist gegen das Leben.' Er versucht vergeblich, Kontakt mit den Außerirdischen aufzunehmen. Das Wasser verzieht sich zu einer Fratze, als es von d’Annunzio gelobt wird: 'Vorzüglich ist das Wasser.' Es kann auf falsche Freunde verzichten. D’Annunzio blödelt weiter vor sich hin: 'Vorhin sah ich aus dem Fenster die Hühner meiner Haushälterin. Wäre ich eines von ihnen, würde mich keiner daran hindern, mein Ei zu legen', um dann weiter zu toben: 'Warum bin ich nur ein Mann? Warum bin ich nicht ein ganzes Heer? Meine Kühnheit ist gegenwärtig grenzenlos.' Das Wasser zieht es vor zu schweigen." (Aus: arsenal, dezember 18).

(2007) 

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Zeichnung (55) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Eine schräg in den Fußboden gerammte Kommode aus der Gründerzeit war 1988 Teil meiner Ausstellung Der Untergang der Bismarck in der Berliner Zwinger Galerie, die die Bismarcksche Sozialgesetzgebung und das Schicksal der Schlachtschiff-Besatzung zum Thema hatte. Der abgesägte Teil des Möbelstücks hing darüber an der Wand, die rustikalen Beschläge der Rednertribüne des Bonner Bundestages an der Decke. Petra Nettelbeck im Rollstuhl, gezeichnet mit einer Maus in der damaligen, noch pixiligen Version von MacPaint, dreht sich auf dem obersten Absatz der verhaßten Treppe zum Büroraum der Galerie um. Schwarz gezeichnet die Grundrisse zweier Höhlen in der Südpol-Passage des Arthur-Gordon-Pym–Romans von Edgar Poe. Wenn der Staat dein Leben einfordert und dich absaufen läßt, hat das Demokratie-Spiel ein Ende. Opfergänge und Auflösungen von Rätseln, die kurz bevorstehen, aber niemanden mehr interessieren. Zu früh, zu spät, und nicht auf dem Punkt: die Revolutionen, die ohne uns stattfinden." (Aus: arsenal, november 18). 

(1988) 

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Zeichnung (68) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Eine schräg in den Fußboden gerammte Kommode aus der Gründerzeit war 1988 Teil meiner Ausstellung Der Untergang der Bismarck in der Berliner Zwinger Galerie, die die Bismarcksche Sozialgesetzgebung und das Schicksal der Schlachtschiff-Besatzung zum Thema hatte. Der abgesägte Teil des Möbelstücks hing darüber an der Wand, die rustikalen Beschläge der Rednertribüne des Bonner Bundestages an der Decke. Petra Nettelbeck im Rollstuhl, gezeichnet mit einer Maus in der damaligen, noch pixiligen Version von MacPaint, dreht sich auf dem obersten Absatz der verhaßten Treppe zum Büroraum der Galerie um. Schwarz gezeichnet die Grundrisse zweier Höhlen in der Südpol-Passage des Arthur-Gordon-Pym–Romans von Edgar Poe. Wenn der Staat dein Leben einfordert und dich absaufen läßt, hat das Demokratie-Spiel ein Ende. Opfergänge und Auflösungen von Rätseln, die kurz bevorstehen, aber niemanden mehr interessieren. Zu früh, zu spät, und nicht auf dem Punkt: die Revolutionen, die ohne uns stattfinden." (Aus: arsenal, november 18). 

 (1988) 

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Zeichnung (347) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Die diffuse Silhouette eines US-Schlachtschiffes, das zu Beginn des Ersten Golfkrieges einen Marschflugkörper abfeuert. Ein Triumph des vom Pentagon entwickelten Global Positioning Systems, das den Siegeszug der unbemannten Fire-and-Forget–Waffen ermöglichte. Angefangen hatte alles im Zweiten Weltkrieg mit dem japanischen Raketengleiter Oka („Kirschblüte“), bei der noch das Gehirn eines Kamikaze-Piloten die Stelle des Computers einnehmen mußte. Von alliierten Soldaten wurde diese bemannte Gleitbombe folgerichtig Baka („Idiot“) genannt. Versenkt wurde damit ein einziges Schiff, die USS Abele im April 1945. Kamikazeflieger bekamen keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu machen. Drei angeekelte Akrobaten rutschen aus Protest gegen den Raketenstart auf nackten Sohlen am linken inneren Bildrahmen wie an einer Glasscheibe herunter. Ein Sitzmöbel aus der Zeit des Biedermeier dient als Notenschlüssel für den daraus resultierenden Zusammenklang quietschender und donnernder Geräusche." (Aus: arsenal, oktober 18).

(2007) 

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Zeichnung (254) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Eine religiös verkündete Apokalypse, ein berstender Himmel dargestellt auf einem Holzschnitt von Albrecht Dürer. Betende, die sich mit dem Rücken zum Betrachter vor einem stilisierten Haus auf einem Küchenpapier-Aufdruck verneigen und den Boden küssen. Die Darreichung einer Küchenrolle rechts, dazu links zwei Pappeln auf einer Kohlenhalde in West-Berlin zur Zeit der Blockade. ADE = Abschied, A = Anfang, D = Dürer, E = Ende. „Der Anfang vom Ende“ wäre geprahlt: Der Anfang ist das Ende. Organisierte Religiösität vergiftet alles. Sie ist “gewalttätig, irrational und sektiererisch, verbündet sich mit Rassismus, Tribalismus und Fanatismus, fördert Ignoranz, verhindert freie Forschung, verachtet Frauen, bemächtigt sich der Kinder und hat fast alles auf dem Gewissen“, schreibt Christopher Hitchens in seinem Buch God is Not Great von 2007. Achtung, der Fortschritt ist unaufhaltsam: Jetzt müssen wir die wahhabitischen Saudis dafür loben, daß sie ihren Frauen das Autofahren erlauben wollen." (Aus: arsenal, september 18).

(1993) 

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Zeichnung (574) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Eine religiös verkündete Apokalypse, ein berstender Himmel dargestellt auf einem Holzschnitt von Albrecht Dürer. Betende, die sich mit dem Rücken zum Betrachter vor einem stilisierten Haus auf einem Küchenpapier-Aufdruck verneigen und den Boden küssen. Die Darreichung einer Küchenrolle rechts, dazu links zwei Pappeln auf einer Kohlenhalde in West-Berlin zur Zeit der Blockade. ADE = Abschied, A = Anfang, D = Dürer, E = Ende. „Der Anfang vom Ende“ wäre geprahlt: Der Anfang ist das Ende. Organisierte Religiösität vergiftet alles. Sie ist “gewalttätig, irrational und sektiererisch, verbündet sich mit Rassismus, Tribalismus und Fanatismus, fördert Ignoranz, verhindert freie Forschung, verachtet Frauen, bemächtigt sich der Kinder und hat fast alles auf dem Gewissen“, schreibt Christopher Hitchens in seinem Buch God is Not Great von 2007. Achtung, der Fortschritt ist unaufhaltsam: Jetzt müssen wir die wahhabitischen Saudis dafür loben, daß sie ihren Frauen das Autofahren erlauben wollen." (Aus: arsenal, september 18).

(1993) 

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Zeichnung (267) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Mood Circle, ein Kreislauf unberechenbarer Launen. Doom Clerc, der Dechiffreur eines unvermeidlichen Verhängnisses. Nach der alten Zeichnung Mood Circle Mona Cries von 1971, dem Jahr, in dem alles aus dem Ruder lief. Ein zum Untergang verdammtes Stabilbaukasten-Paddelboot als Symbol meines abgebrochenen Universitätsstudium. Die Stele mit einer Männerskulptur aus der russischen Kaserne in Wünsdorf reicht bis in die Wolken. Eine hohe, spitz zulaufende Tsunami-Welle läuft auf dem Festland auf die Stele zu. Verschlagene westliche Dekadenz: Während der Vorbeifahrt an dem Militärkomplex warfen wir den Rekruten, die dort den Gehweg fegen mußten, Pornohefte zu. Und das, nachdem sich Freunde in Prag darüber beschwert hatten, daß wir nur Apfelsinen mitgebracht hatten statt der erwünschten Exemplare des Spiegel. Die Früchte erscheinen mir auch heute noch die sinnvollere Gabe als jene Journaille, und die Pornos machten unmittelbar Sinn – ein versteckter Verweis auf Klossowskis La Monnaie vivante, das gerade erschienen war." (Aus: arsenal, mai 18).

(1996)

 

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