Die Basis des Make-Up

Die Basis des Make-Up

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Zeichnung (304) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Am ersten Schultag, 1954 in Niedersachsen, mit meinem Stiefopa vor einer Hecke und einer Edeltanne in unserem Vorgarten am frisch angelegten Steinbeet. Er erzählte mir von einem Eisernen Vorhang quer durch Deutschland. Dessen Konstruktion dachte ich mir als verschraubtes Stahlgerüst. Ich fragte mich, wie es im Himmel aufgehängt sein könnte. Auf der anderen Seite war es sicherlich tief im Boden verankert. "EV" = Eiserner Vorhang = e.V. = eingeschriebener Verein = ev. = evangelisch. "2" ist die Zahl, die eine Lehrerin meistens in die rechte untere Ecke meiner Zeichnungen schrieb. 1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = befriedigend, 4 = ausreichend, 5 = mangelhaft, 6 = ungenügend. "4" war unsere Hausnummer an der Straße Am Bahndamm hinter der Hecke. "22" ist schon immer meine Lieblingszahl gewesen. Vom Tornister auf meinem Rücken hängt der Wischlappen für die Schreibtafel aus Schiefer. Das transparente Brotauto ist ein Symbol für die dicklich süße, hellbraune Suppe aus Brotresten, die meine Großmutter damals oft für uns kochte." (From: arsenal, dezember 10).

(1977) 

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Zeichnung (77) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Zum Einüben: die Silhouetten von zweiunddreißig Kampfflugzeugen auf einer Kenntafel für Jet-Piloten. Das Erkennen des Gegners und die daraus abgeleiteten Reaktionen müssen blitzartig und wie in Trance stattfinden, im Sinne tradierter Raubtiereigenschaften. Drei an Schläuchen angeschlossene, noch lebende Kaninchen warten derweil in schuhkartonartigen Kisten, deren Deckel man wie Halskrausen hinter ihren Köpfen verschlossen hat, auf die medizinischen Versuche, die man mit ihnen anstellen wird. Eine verordnete Passivität im Dienste der menschlichen Monokultur und ihrer Alleinstellungsmerkmale. Die traurigen Augen von Bonn: Ein Mann mit zentimeterlangen Hängewarzen an den Augenlidern und aufgerissenen Pupillen schaute 1987 vom Bahnsteig des dortigen Hauptbahnhofs in mein Zugabteil und direkt in meine noch gesunden Augen. Ich kam mir überrumpelt wie das Versuchskaninchen einer erkrankten Menschheit vor und beobachte seitdem argwöhnisch meine Augenlider. Wer will schon wissen, dass er ein gewalttätiges Tier ist, oder es gesagt bekommen." (Aus: Schwarze Blöcke, SchwarzHandPresse 2010).

(1988) 

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Zeichnung (447) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Der zum Schlafsofa mutierte Kopf einer Giraffe überragt das in vier Teile zerlegte Portrait einer Frau. Nachdenklich betrachtet sie eine elektrisch betriebene Hand, die vor einer Rasierklinge ein Glas serviert. Darüber ein Stab mit zwei weiteren Plastikhänden an den Enden und ein umgekehrt auf einen Stiel aufgesetzter Besen, der ins Bild ragt. Die Frau denkt, Das alles sind Bedeutungsperspektiven, deren Sinn ich nicht erkenne, obwohl er offen vor mir liegt. In vier Teile zerlegt könnte ich vielleicht alles besser verstehen. Zuerst einmal sollte ich schlafen und keine Reue mehr empfinden. Sie döst ein und genießt einen Anfall von Schuldlosigkeit. Nach dem Aufwachen setzt sie ihre Teile wieder zusammen und beschließt, ihre Arbeit von Anderen machen zu lassen. Ein selbstfahrendes Auto läßt sie zuvorkommend die Straße überqueren. Sie bedankt sich mit einem Kopfnicken, das in eine Zentrale übertragen wird. Sind die Leute heute wieder freundlich, denkt ein Beamter. April April, ruft die Frau in die versteckte Kamera." Aus: arsenal, april 17

(1993) 

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Zeichnung (556) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Der zum Schlafsofa mutierte Kopf einer Giraffe überragt das in vier Teile zerlegte Portrait einer Frau. Nachdenklich betrachtet sie eine elektrisch betriebene Hand, die vor einer Rasierklinge ein Glas serviert. Darüber ein Stab mit zwei weiteren Plastikhänden an den Enden und ein umgekehrt auf einen Stiel aufgesetzter Besen, der ins Bild ragt. Die Frau denkt, Das alles sind Bedeutungsperspektiven, deren Sinn ich nicht erkenne, obwohl er offen vor mir liegt. In vier Teile zerlegt könnte ich vielleicht alles besser verstehen. Zuerst einmal sollte ich schlafen und keine Reue mehr empfinden. Sie döst ein und genießt einen Anfall von Schuldlosigkeit. Nach dem Aufwachen setzt sie ihre Teile wieder zusammen und beschließt, ihre Arbeit von Anderen machen zu lassen. Ein selbstfahrendes Auto läßt sie zuvorkommend die Straße überqueren. Sie bedankt sich mit einem Kopfnicken, das in eine Zentrale übertragen wird. Sind die Leute heute wieder freundlich, denkt ein Beamter. April April, ruft die Frau in die versteckte Kamera." Aus: arsenal, april 17

(1993) 

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Zeichnung (349) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Zwei Hubschrauber setzen Soldaten im ersten Golfkrieg nahe der in Brand gesetzten kuwaitischen Ölquellen ab. In den Rauchwolken schwebt ein Paar handgearbeiteter englischer Herrenschuhe zu Boden, positiv und negativ. Die Szenerie geht in einen Raum der Barnes Collection in Philadelphia über, in dem dutzende Gemälde von Pierre-Auguste Renoir in Petersburger Hängung ausgestellt waren. Nebenbei gefragt: Haben die neuerbauten Museen für Moderne Kunst in den Golfstaaten schon eröffnet oder haben sie schon wieder dichtgemacht? Sind ihre westlichen Direktoren immer noch dankbar für die Over-the-Top-Architekturen ihrer Gebäude? Und gibt es noch Künstler, die stolz darauf sind, dort ausgestellt zu werden oder sind sie alle schon tot? Allgemein verbreiteter Schrecken in der Gegenwartskunst: Der Erkenntniswert der mit Hilfe von verquer moralinen Ablaßzahlungen erworbenen Exponate verflüchtigt sich rapide. Das könnte in Relation zu ihrem Geldwert gesetzt werden, lautet das Menetekel an der Wand. Die Abrißbirne wartet schon." (Aus: arsenal, märz 17).

(1994) 

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Zeichnung (329) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Zwei Hubschrauber setzen Soldaten im ersten Golfkrieg nahe der in Brand gesetzten kuwaitischen Ölquellen ab. In den Rauchwolken schwebt ein Paar handgearbeiteter englischer Herrenschuhe zu Boden, positiv und negativ. Die Szenerie geht in einen Raum der Barnes Collection in Philadelphia über, in dem dutzende Gemälde von Pierre-Auguste Renoir in Petersburger Hängung ausgestellt waren. Nebenbei gefragt: Haben die neuerbauten Museen für Moderne Kunst in den Golfstaaten schon eröffnet oder haben sie schon wieder dichtgemacht? Sind ihre westlichen Direktoren immer noch dankbar für die Over-the-Top-Architekturen ihrer Gebäude? Und gibt es noch Künstler, die stolz darauf sind, dort ausgestellt zu werden oder sind sie alle schon tot? Allgemein verbreiteter Schrecken in der Gegenwartskunst: Der Erkenntniswert der mit Hilfe von verquer moralinen Ablaßzahlungen erworbenen Exponate verflüchtigt sich rapide. Das könnte in Relation zu ihrem Geldwert gesetzt werden, lautet das Menetekel an der Wand. Die Abrißbirne wartet schon." (Aus: arsenal, märz 17).

(1994) 

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Zeichnung (150) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Dial NERVOUS for the time. Mit angespitzten Bleistiften die Buchstabenwählscheibe eines schwarzen Telefons bedienen, obwohl der schwere Hörer noch aufliegt. Ein Blick aus dem vorderen Raum unseres Railroad-Apartments auf die nächtliche President Street in Brooklyn im Winter 1975. Von links unten ragt ein Nordlicht ins Bild, das den Telefonapparat abschirmt. Der Vermieter hatte uns einen mannshohen Kühlschrank zur Verfügung gestellt, um die Kücheneinrichtung zu vervollständigen. Vor unserer Haustür war der Schrank beim Transport zu Boden gefallen. Dabei hatte sich seine Tür weit geöffnet, und Horden von Kakerlaken entströmten seinem Inneren. Weithin sichtbar liefen sie über den Schnee und verschwanden in irgendwelchen Ritzen. Nicht nur deshalb verabscheuten uns die Nachbarn mit puertoricanischer und italienischer Abstammung. Wir wohnten direkt auf der Trennlinie zwischen ihnen, eine weitere Ethnie war nicht erwünscht. Ein anonymer Brief, der kurz darauf in unserem Briefkasten befand, begann so: 'Dear Sirs ...'". (Aus: arsenal, januar 17).

(1984) 

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Zeichnung (151) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Fortsetzung des anonymen Briefes, Brooklyn 1975: '... The people of President Street are upset of your actions. The little children SEE what's going on in that room. Either you put something to cover your windows, or you get off the block and move. We are waiting 1 week. If you don't cover your windows, you'll hear from us again but next time not so friendly. Thank you for your cooperation.' Eine gewisse Verstörung und Verunsicherung waren die Folge, und wir zogen in vorweggenommener Aktion zurück nach Manhattan. Rechts zwischen den Textzeilen des Briefes stellt eine auf dem Boden knieende Frau ein Warnschild in einem weißen Kreis auf. Auf der linken Seite ein Telefon-Doodle mit einem Frauenakt ohne Kopf, dem Portrait meiner Stirn und dem Kopf eines französischen Polizisten. Das vorsätzliche Bemühen, Häßlichkeit zu produzieren, gelang ohne große Anstrengungen und auch ohne die ideologischen Verrenkungen der albern deutsch „wild“ genannten Malerie der 80er Jahre. Tatsächlich kann ich überall Hakenkreuze erkennen." (Aus: arsenal, februar 17).

(1984) 

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Zeichnung (391) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Die Chinesische Landschaft, 1971, eine häusliche Szene, durch ein Fisheye gesehen. In memoriam an die Mode, Wasserleitungsrohre rot und blau anzustreichen, um deren „Funktionalität zu betonen“. Bude der Welt, Massenchöre, dem Ruf der Trommel folgend: Modernität. Aus den Öffnungen und Ritzen einer perfekten Küche wachsen bananenförmige Dildos – oder sind es Mondsicheln? Eine Frau putzt, kocht und spült sie ab, ein Kind hält ein Exemplar davon ratlos vor sich in der linken Hand und schaut ins Nichts. Eine Haushaltsrolle wartet auf ihren Einsatz. Auf den Holzdielen foltern Ureinwohner ihresgleichen mit Analdehnungen. Alle Gewalttätigkeiten vergangener Jahrhunderte erscheinen wie neu erdacht. Versprochen ist versprochen: Hinter den Schwarzen Löchern des Universums lauern eschatologische Paradiese. Die Menschen sollten, auch um Außerirdische nicht mit unserem Körperbau zu erschrecken, in wahhabitischer Manier nur noch verschleiert herumlaufen. Die dem Universum unterstellte Balance ist lediglich eine Momentaufnahme." (Aus: arsenal, dezember 16)

(1977) 

Titelblatt von "The Chinese Landscape", Raw MailBook Nr. 8, NYC 1979. 

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