Zeichnung (60) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Zwei Darmabschnitte hängen als Damoklesschwerte an Stöcken über einer häuslichen Szenerie. Ich sitze mit Sheila McLaughlin auf dem Boden des grüngrauen Flurs im 4. Stock von 100 Hudson Street, NYC, zur Jahreswende 1974/75. Gezeichnet nach einer Fotokopie von David Larcher, in die sein damaliges Signet angeschnitten eingeprägt ist. Rechts und links eingefaßt wird die Momentaufnahme von zwei Modellen, die Nervenfasern in Phantomsicht darstellen sollen. Beim erzwungenen Auszug aus dem verwahrlosten Bürogebäude setzten wir die Etage mittels des an der Wand hängenden Feuerwehrschlauchs unter Wasser. Das zwölfstöckige Haus war schon zuvor heruntergekommen und wartete auf Spekulanten, die es zu einer Luxusherberge umgestalteten. Jahre später stand ich unten auf der Straße und blickte zu meiner ehemaligen Fensterfront empor. Eines der Fenster öffnete sich und jemand schrie voller Hohn It’s nice up here zu mir herunter. Keine Ahnung, wieviel Schaden das Gebäude dann später beim Einsturz des World Trade Centers genommen hat." (Aus: arsenal, dezember 15)

(1997)

 

Zeichnung (61) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Mein nackter, weißer Unterarm mit der Aufschrift 'bed' in der Handschrift von David Larcher. Ein Ausschnitt aus seiner Widmung Something to read in bed in dem xeroxkopierten Exemplar einer chinesischen Zeichenschule, die er mir 1973 in Hamburg in die Eppendorfer Landstraße zuschickte. Vier wundersame Formen von Lichtspiegelungen, die Anfang der 90er Jahre auf Umwegen über einen düsteren Hinterhof in Moabit in das Berliner Zimmer meiner Wohnung reflektiert wurden. An ihren Rändern Prismafarben, ein paar Minuten lang vom Bett aus zu sehen an einem herbstlichen Spätnachmittag. Dahinter die in drei Teile zerrissene Schwarzweißpostkarte mit den gepolsterten Hockern Arlew und Wilson und der großen Prunkvase Dover, die schon immer ein Anlaß zum Lachen gewesen war. Die zu versteigernden Objekte sahen aus wie zu Möbeln erstarrte Kalauer.  Im Hintergrund grafisch umgesetzte elektrische Impulse aus der Gehirnmasse Lenins. Ergrautes Eiweiß, ein Brei, in dem die Nachfolgenden hilflos herumgestochert hatten, und für jede Interpretation zugänglich." (Aus: The End, Disko 22, 2011).

(1997) 

Zeichnung (62) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

You Fuck. 

(1996) 

Zeichnung (63) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Krude Landschaften, Abbruchkanten und das Bewußtsein, darin eingesponnen zu sein und nicht mehr daraus zu erwachen. Die Atomisierung meiner Gefühle, aus der sich kein qualitativ neues Element ergibt, hat ihre Logik. Ein Flug zu den Filmfestspielen in Edinburgh (BORO) mit dem Film Normalsatz Anfang der 80er Jahre. Ich hatte schon einmal 1965 auf dem Felsen, von dem sich dort traditionell die verzweifelt Verliebten stürzen, gesessen und einen Personenzug bei seiner Einfahrt in einen Tunnel unter einem Friedhof beobachtet. Ganz anders als bei Hitchcock. Bevor sich die Welt in Zucker, Fett und Kohlehydrate aufspaltete, wie hier an einem Schokoriegel exemplifiziert. Ich dachte an David Larchers Fahrt in eine Autofalle auf Martinique und das Emblem seines Lastwagens als Stempelabdruck. In der Projektion zerriß die Filmkopie dann genau in der Szene, in der meine Super-8-Kamera umkippte. Ich rutschte von der Bank, schlug mit dem Gesicht voran zu Boden und krieche seitdem in Spurenelementen herum." (Aus: The End, Disko 22, 2011).

(1983) 

Zeichnung (64) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Hotel Galvez.

(1997) 

Zeichnung (65) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"... YX, der angebetete Sekundentod: ein Startsprung in den regulierten Styx, den Höllenfluß in seinem Betonbett. Die Menschen als zu Lebzeiten abgestoßene Leichenteile einer sich auf ewig teilenden Gesellschaft. Ich habe meinen Freunden Geldmünzen unter die Zunge gelegt, aber sie nicht getröstet. Schon Tausende sind diesen Weg gegangen, auf dem es keinerlei Trost gibt. Im Hintergrund Säureregen auf ein Kaninchenauge, in dessen Glaskörper sich Trichter eingefressen haben. Davor A LAMP – eine Fadenlampe mit Reflektoren vor einem skizzierten Tapetenhintergrund, die Funzel der Aufklärung. Unten links Elektroden und Meßgeräte an offen gelegten Gehirnregionen eines Schimpansen in der Echtzeit-Forschung. Oben rechts die Betäubung eines Kalbes mit einem Schlagbolzen auf der Tötungsstrecke eines Schlachthofes. Der letzte Blick des entsetzten Tieres gilt dem großen Messer, das seine Kehle durchschneiden wird. Das Primat der Gemütlichkeit: Herr, laß das Verdrängte an uns vorüberziehen und das Unvermeidliche möglichst angenehm vonstatten gehen." (Aus: The End, Disko 22, 2011).

(1996) 

Zeichnung (66) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Donega Schual. 

(1984) 

Zeichnung (67) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Text under construction"

Pilgrime State Death House.

(1984) 

Zeichnung (68) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Eine schräg in den Fußboden gerammte Kommode aus der Gründerzeit war 1988 Teil meiner Ausstellung Der Untergang der Bismarck in der Berliner Zwinger Galerie, die die Bismarcksche Sozialgesetzgebung und das Schicksal der Schlachtschiff-Besatzung zum Thema hatte. Der abgesägte Teil des Möbelstücks hing darüber an der Wand, die rustikalen Beschläge der Rednertribüne des Bonner Bundestages an der Decke. Petra Nettelbeck im Rollstuhl, gezeichnet mit einer Maus in der damaligen, noch pixiligen Version von MacPaint, dreht sich auf dem obersten Absatz der verhaßten Treppe zum Büroraum der Galerie um. Schwarz gezeichnet die Grundrisse zweier Höhlen in der Südpol-Passage des Arthur-Gordon-Pym–Romans von Edgar Poe. Wenn der Staat dein Leben einfordert und dich absaufen läßt, hat das Demokratie-Spiel ein Ende. Opfergänge und Auflösungen von Rätseln, die kurz bevorstehen, aber niemanden mehr interessieren. Zu früh, zu spät, und nicht auf dem Punkt: die Revolutionen, die ohne uns stattfinden." (Aus: arsenal, november 18). 

 (1988) 

Zeichnung (69) aus DIE BASIS DES MAKE-UP

"Das Haus des Zeichners auf Preston Isle in der kanadischen Provinz Quebec. Es ist düster, die Baumkronen sind von einem Idiotenwind zerzaust. Dazu die Werkzeuge eines Maurers, der Pfahl im Steak ist ein Zeichenstift. Das Fleisch ist abgehangen, alle rechten Winkel sind perspektivisch verzerrt, die Schwerkraft ist ausgesetzt. Ein Senkblei weist von einem Granitwürfel, der sich in den Oktaeder aus Dürers Melencolia I verwandeln wird, auf meine Dachkammer. Ein Boot mit Billy Chapin und Sally Jane Bruce an Bord treibt vorbei. Meine Hand zittert, ich habe Angst vor der Kälte. Wieder Artaud in seiner Klarheit, die ihm aus den Dingen entgegentritt: 'Mit Opium bekommt das Reale sein wahres Gewicht, ohne Verlust oder Übertreibung, unbelastet vom Eigengewicht stumpfsinniger Hüllen, stumpfsinniger geistiger Verkörperungen, die ihm Literatur, Poesie, Geist, Philosophie, Vernunft, Riten, Verstand, Moral, Wissenschaft von Jahrhundert zu Jahrhundert aufgebürdet hatten.'" (Aus: arsenal, april 09).

(2007) 

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