Miscellanea III

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Sullivan's Arch in Chicago, USAMiscellanea III

MISCELLANEA III zeigt das von Louis H. Sullivan gestaltete Portal des 1894 errichteten und 1972 abgerissenen Gebäudes der ›Chicago Stock Exchange‹ an der Monroe Street in Chicago, Ruinen einer Glasfabrik, von der Bruce Goff die häufig von ihm verwandten farbigen Glasbrocken bezog, in Henryetta, Oklahoma, eine Eisenbahnbrücke über einen Creek am Wüsten-Highway 62, die Anlage des ›General Patton Memorial Museums‹ am Interstate Highway 10 und eine Straßenkreuzung in Twentynine Palms in Kalifornien, den ›Gateway West‹, die Grenze zu Mexiko, und das Gelände um die City Hall in El Paso, New Mexico, eine Studie von Downtown Oklahoma City und das dort zu Ehren der bei der Zerbombung des ›Murrah Buildings‹ am 19. April 1995 getöteten Menschen von Hans Butzer designte ›National Memorial‹,das von William Wesley Peters 1982 designte ›Community Center‹ und der ›Price Tower‹ von Frank Lloyd Wright aus dem Jahr 1956 in Bartlesville, Oklahoma, den nach Buckminster Fuller 1958 von Robert B. Roloff in Oklahoma City erbaute ›Tower‹ und geodätische ›Gold Dome‹, den 1963 für Kinder errichteten Spielturm von Bruce Goff in Bartlesville, Oklahoma, eine ›Lockheed T-33‹, die Ausbildungsversion des ersten, nach deutschem Vorbild gebauten, zweistrahligen, US-amerikanischem Jagdflugzeugs als Skulptur vor dem Center of Commerce in Del Rio, Texas, drei Häuser von Frank Lloyd Wright aus den 20er Jahren, an denen Bruce Goff mitgearbeitet hat, in Tulsa, Oklahoma, der älteste Zaun aus Zement und das älteste Backsteinsilo bei Bartlesville und ein Schulgebäude aus Beton aus den 20er Jahren in Dewey, Oklahoma, die Grabstätten von Louis H. Sullivan und Bruce Goff auf dem ›Graceland Cemetery‹ in Chicago, das auf dem Gelände des ›Vittoriale‹ in Gardone am Gardasee im Berghang eingelassene Kriegsschiff ›Puglia‹ und das Mausoleum Gabriele d'Annunzios – seine Leiche und die von zehn Getreuen in Sarkophagen auf Marmorstelen hoch über dem Gardasee. Die Aufnahmen aus den USA fanden im April und Mai 2002 während der Dreharbeiten zum Film Goff in der Wüste statt, die Aufnahmen aus dem Vittoriale am 24. März 1997 in Vorbereitung zum Projekt D'Annunzios Höhle.

Abb 1: Sullivan's Arch in Chicago, USA

Abb 2: Downtown Oklahoma City, USA

Downtown Oklahoma City, USAMiscellanea III

Photographie und jenseits (Teil 10)

Land: Deutschland 1997-2004.
Regie, Kamera, Schnitt: Heinz Emigholz.
Cooperators: Irene von Alberti, Heiner Büld, Ueli Etter, May Rigler, Frieder Schlaich, Thomas Wilk.
Tonbearbeitung: Christian Obermaier
Mischung: Matthias Schwab
Produktion: Pym Films

Format: 35mm, 1:1,37, Farbe. Länge: 22 Minuten

Uraufführung: Internationale Filmfestspiele Berlin, 13. Februar 2005


Abb 3: National Memorial in Oklahoma City, USA 

National Memorial in Oklahoma City, USAGRAZ, 27. März 2004. Menschen, die professionell mit Worten umgehen, bestehen leider manchmal, fast scheint es aus Trotz, auf geglätteten Verhältnissen zwischen Auge und Realität: Hier das Auge, also "ich", dort die Realität, mein Gegenüber. Hier die Kamera, auch "ich", dort das Objekt meiner Betrachtung. Christopher Isherwoods "I am a camera" ist in der Folge ebenso kurz verstanden kolportiert worden wie Louis Sullivans "Form ever Follows Function". Würde im Gegenzug etwa jemand behaupten, er sei ein Füllfederhalter oder ein Computer, nur weil er nicht schreiben kann? Nein, ich "bin" keine Kamera, und kein Mensch "ist" eine. Entgegnet wird, "I am a camera" sei doch nur metaphorisch gemeint, die Kamera also ein unparteiisches, unbestechliches Instrument der Dokumentation, womöglich ein ganz "leidenschaftslos" hingehaltenes. Für Kulturwissenschaftler und kuratierende Theoretiker zur Zeit am Liebsten noch mit der Ausprägung "Knipsen": Die als Geschäft betriebene Ausdeutung des "Unbewussten" ist irgendwie billiger als die Beschäftigung mit gestaltender Komposition.

Abb 4: City Hall, El Paso, USA

City Hall, El Paso, USAÜber die unverschämte Gleichsetzung von Auge und Kamera ist schon andernorts viel geschrieben worden. Daß ein filmischer Fachjargon in bestimmten wackelnden Bildern einen authentischen Touch (Direktübertragung aus dem Gehirn eines der Protagonisten) sieht und mit dem Term "subjektive Kamera" belegt, ist eher ein Hinweis auf ein manipulatives Instrumentarium. Tatsächlich befindet sich die Kamera im Raum zwischen dem Kinematographen und der Welt. Es handelt sich also eigentlich um zwei Räume: den Raum zwischen Gehirn/Auge des Fotografen und der Bildfläche der Kamera (die eben nicht nur aus einer Linse besteht, sondern auch aus einer künstlichen "Retina") und den Raum zwischen dieser technischen Bildfläche als Aufzeichnungsinstrument und dem Arrangement des Wirklichen, das festgehalten wird. Auf beiden Seiten kommt es in den aktuellen Beziehungen dieses Relationsgefüges zu einer aktiven, körperlich betriebenen Verflüssigung des Raumes.

Abb 5: Lockheed T-33 vor dem Center of Commerce, Del Rio, USA

Lockheed T-33 vor dem Center of Commerce, Del Rio, USADer Raum wird durch die Arbeit des Blicks eingeschmolzen und im Moment der Aufnahme in seinen Bestandteilen zusammengeschweißt. Im Akt der Aufnahme findet die Erstarrung einer momentanen Verlinkung von Raumbestandteilen statt. Die Herstellung eines repräsentativen Bildes ist in dieser Konstellation ein Spezialfall, der nicht besonders viel mit Denken zu tun hat, wenn man dieses als fließende Bewegung begreift. Worauf das Interesse zu richten ist, ist das Theater des Blicks, das sich in dem Raum zwischen dem Gehirn des Fotografen und der Bildfläche der Kamera abspielt. In ihm konstituiert sich die Realität des Bildes und sein Gehalt: Das ist kein "Ich", sondern das Produkt eines bestimmten Prozesses."

(Aus: Heinz Emigholz, Das weiße Schamquadrat, unveröffentlicht)

 

Abb 6: General Patton Memorial Museum, USA

General Patton Memorial Museum, USA