
Drawing (600) from THE BASIS OF MAKE-UP
"... YX, der angebetete Sekundentod: ein Startsprung in den regulierten Styx, den Höllenfluß in seinem Betonbett. Die Menschen als zu Lebzeiten abgestoßene Leichenteile einer sich auf ewig teilenden Gesellschaft. Ich habe meinen Freunden Geldmünzen unter die Zunge gelegt, aber sie nicht getröstet. Schon Tausende sind diesen Weg gegangen, auf dem es keinerlei Trost gibt. Im Hintergrund Säureregen auf ein Kaninchenauge, in dessen Glaskörper sich Trichter eingefressen haben. Davor A LAMP – eine Fadenlampe mit Reflektoren vor einem skizzierten Tapetenhintergrund, die Funzel der Aufklärung. Unten links Elektroden und Meßgeräte an offen gelegten Gehirnregionen eines Schimpansen in der Echtzeit-Forschung. Oben rechts die Betäubung eines Kalbes mit einem Schlagbolzen auf der Tötungsstrecke eines Schlachthofes. Der letzte Blick des entsetzten Tieres gilt dem großen Messer, das seine Kehle durchschneiden wird. Das Primat der Gemütlichkeit: Herr, laß das Verdrängte an uns vorüberziehen und das Unvermeidliche möglichst angenehm vonstatten gehen." (From: The End, Disko 22, 2011).
(1996)
Zeichnung (601) aus DIE BASIS DES MAKE-UP
"Text under construction"
Hosenstall. Die schwarzen Flächen sind Papierreste auf einem Polaroid-Negativ. RO ID = rohes Es. The World, ein hingehaltenes Schiffsmodell.(1988)

Drawing (602) from THE BASIS OF MAKE-UP
"Anyone wanting to cross a river in a straight line will be carried downstream if he doesn’t row against the current. In his novel Victory, Joseph Conrad wrote in a plain and succinct way: 'An island is but the top of a mountain', and this sentence alone is enough to make what he produced stand out against the pompous scene journalism and racism of his contemporary Gabriele d’Annunzio. A woman lying on the floor asks herself what has become of his 'lifestyle' and in 1978 lifts one square of a wall-to-wall carpet. The 'downfall of the white race', as Louis-Ferdinand Céline thought he had to declare only after the surrender of the 6th German Army in Stalingrad, took care of itself – along the lines Conrad had repeatedly described. Above all this hovers the skeleton of a concentration camp prisoner found in the planned Kraft-durch-Freude-spa Prora on the island of Rügen. That’s how the word became action, irrevocably bloody." (From: arsenal, september 09).
(1978)
Zeichnung (603) aus DIE BASIS DES MAKE-UP
"Im negativen Raum: Eine einzelne Aubergine unter den Lichtstrahlen einer Glühbirne auf dem Rost eines Kühlschrankes. Eine rahmensprengende WORLD als Rechteck im Zentrum, umgeben von den Richtungsangaben LEFT, DOWN, RIGHT, UP. Kreisförmig darum herum angeordnet das Wort P-I-C-T-U-R-E. Von dessen einzelnen Buchstaben strahlen Blickpfeile in alle Richtungen des Raumes ab, das Off ansaugend wie ein Vakuum. Ein Hinweis darauf, dass der Kopf sich relativ frei im Raum bewegen könnte, und dass Blicke die Welt konstituieren. Das am Strand auf Rügen aufgefundene Skelett eines KZ-Häftlings wird von einem Spaziergänger in gebügelten Hosen und mit nackten Füßen in Sandalen begutachtet. Schwarze Knochen? Erkläre nicht, was ist, denn es ist. In einer Welt, in der Worte keine Konsequenzen haben, kann alles gesagt werden. In einer Welt, in der alles gesagt wird, ist bereits alles getan worden. Die Illusionen des Pop und das Ende der Popkultur mit ihren Hekatomben von Toten. Der umgelegte Schalter, eine Gesellschaft ex nihilo." (Aus: flypaper #5, 2010).
(1978)
Zeichnung (604) aus DIE BASIS DES MAKE-UP
"Je länger man einem Menschen ins Gesicht sieht, desto intensiver schaut ein Totenkopf zurück. Hier als Cargo im Bauch des russischen Linienschiffes Borodino, das am 27. Mai 1905 in der Schlacht von Tsushima von der japanischen Flotte versenkt worden ist. Ein halbnackter Archäologe versucht, dessen Leck unterhalb des Wasserspiegels symbolisch zu reparieren. Links unten die Silhouette einer Menschengruppe, die der 'Leute'-Rubrik der Frankfurter Rundschau in den 70er Jahren als Vignette vorangestellt war. Ein klischiertes, vergangenes Klischee. Die Blickrichtung der Gezeichneten ging wie verabredet nach rechts oben, Prominenz stand damals noch für Autorität. Nachdem alle Schleusen geöffnet worden und alle Schotten geborsten sind, kanalisiert Prominenz in den Bildmedien nur noch Haß. Promis als pathetische Jesus-Figuren, ihre Betrachter die edlen Römer, die sie lustvoll ans Kreuz nageln. Die schwarze Stele ein Denkmal für den weißen Faden, der einmal Ende der 70er Jahre im Zippelhaus in Hamburg von unserer Bettwäsche herabhing." (Aus: flypaper #5, 2010).
(1978)
Pym Films, Berlin, vertreibt neben anderen Galerien und Verlagen (siehe Links/Partner) Kunstwerke und Auflagenobjekte von Heinz Emigholz und organisiert in Zusammenarbeit mit Museen und anderen Galerien Ausstellungen seiner Arbeiten.
< This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it >
Page 31 of 31